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Sicherheitsregeln für Svalbard

Landschaft und Wetter

Adventdalen

Das Wetter im Sommer kann sehr instabil sein. Von Ausnahmetagen mit bis zu 20C bei Windstille abgesehen ist es generell kühl mit Temperaturen zwischen 3C und 7C. Der Regen ist meist ein feiner Nieselregen und durchweicht oft nur richtig bei starkem Wind. Allerdings gibt es kaum Tage ohne Windstille und das Terrain trägt außerdem dazu bei, daß Winde eher noch durch einen Windkanal-Effekt verstärkt werden. Das Wetter variiert lokal sehr stark. Ist es in einem Tal schön und warm, so kann es im anderen Tal windig, kalt und grau sein. Im Sommer taut der Permafrostboden bis stellenweise zu 80 cm an seiner Oberfläche auf. Daher besteht der überwiegende Teil der Täler aus Feuchtwiesen und Sumpflandschaften. In jedem größeren Tal gibt es Flußläufe. Mittlere Täler haben in der Regel nur einen Hauptlauf, der sich nur wenig verzweigt und daher sehr starke Strömung hat. Je tiefer solche Flußläufe sind, desto größere Steine transportieren sie auf ihrem Grund, was ihr beachten solltet beim Durchwaten. Große Täler haben ein breites verzweigtes Flußsystem. Auch wenn die Strömung nicht sehr stark aussieht, diese Flußläufe sind häufig sehr tief und an ihren Rändern schlammig. Ein Merkmal von allen Gebirgsbächen, die durch Gletscher oder Schneefelder gespeist werden sollte man nicht unterschätzen. Am Anfang des Tages kann man sie oft noch ohne Probleme überqueren. Am nachmittag führen sie dann so viel Wasser, daß man unter Umständen an der Stelle vom Morgen nicht mehr überqueren kann. Auch bei vollem Polartag macht sich diese Wasserstandsänderung sehr stark bemerkbar.

Generell solltet ihr Flüsse nur an ihren breiten und weit verzweigten Stellen überqueren. Dort sind sie nicht so tief. Es ist sehr hilfreich, beim Waten Schuhe anzuhaben. Entweder leichte Turnschuhe oder besser noch Gummistiefel. Bei Gummistiefeln lohnt es sich, Innensohlen und Socken auszuziehen. Da kann auch mal das Wasser hinein schwappen. Auf der anderen Seite kippt man es nur aus und zieht die Trockenen Strümpfe wieder an. Die Füße werden so nur feucht und nicht naß. Außerdem spürt man in Stiefeln die Kälte des Wassers nicht so. In Sandalen kommt man oft mit schmerzenden und gefühllosen Füßen an. Außerdem ist die Verletzungsgefahr durch rollende Steine größer. Watet ihr durch Flüsse, dann immer entgegen der Stromrichtung. Die Strömung ist sehr stark. Lauft ihr mit der Strömung und mit schwerem Gepäck dazu, so hat sie eine Wirkung, wie wenn jemand euch beim Stehen unerwartet in die Kniekehlen tritt. Noch ein Tipp, macht alle Rucksackgurte auf. Fällt jemand ins Wasser und wird von der Strömung mitgenommen, dann Rucksack ab, sonst gehen Rucksack UND Person verloren!

Ein weiteres Phänomen des auftauenden Permafrostbodens sind Gleithänge. Man ist versucht, an den Talseiten zu laufen, um den Sumpfigen Talböden auszuweichen und bleibt plötzlich bis oberschenkeltief im Schlamm stecken. Solche Stellen solltet ihr weit umgehen. Hier haben Leute schon ihre Gummistiefel stecken lassen müssen.

In engen Tälern gibt es am Ende häufig noch große Gletscher, kleinere Hängegletscher oder Steingletscher. Vor ihren Moränen kann auch noch Toteis, von Moränenmaterial überdeckt, liegen. Im Sommer sind Gletscherspalten oder Schmelzwasserkanäle in der Regel leicht sichtbar, manchmal können sie aber auch von Blockschutt überdeckt sein.

Die Gegend, in der ihr euch bewegt, besteht aus Bergen aus sehr leicht erodierbarem Gestein. Es ist nicht ratsam, sehr weit herumzuklettern. Das Gesteinsmaterial auf den Hängen liegt häufig nur lose auf. Geröllawinen im Sommer sind keine Seltenheit.

Kleidung

Maria und Morten

Hier gibt es viele verschiedene Tips von vielen verschiedenen Leuten. Generell: Wolle ist wärmer, erst recht wenn die Klamotten feucht sind, allerdings trocknet sie langsamer und ist schwer. Fleece ist leicht und trocknet schnell, wärmt aber nicht, wenn es feucht ist. Baumwolle hat auf jeden Fall beide negativen Eigenschaften von Wolle und Fleece.

Lange Unterwäsche sollte man dabei haben, wer Wolle verträgt, lieber aus Wolle. Dicke Socken, auch zum Wechseln, ist ein Muß. Viele Schichten zu haben ist perfekt. T-Shirt für ganz warme Tage; fängt der Wind an zu blasen, ziehe ich ein langes Hemd über, verschwindet dann auch noch die Sonne, hab ich meinen Fleecepulli und fängt es an richtig stark zu blasen und etwas zu nieseln oder schnee-regnen, ziehe ich mir meine Gore-Tex-Jacke an oder meine derbe Baumwolljacke. Der Vorteil der Gorejacke ist, daß sie nicht so schnell durchweicht, aber ich schwitze eher drunter. Und die Baumwolljacke hält genauso den Wind ab, läßt mich aber unten drunter trocken, da sie gut atmet. Geschmacksache eben.

Wasser- und winddichte Hosen sind auf jeden fall zu empfehlen, ebenso wie Mütze und Handschuhe. Vielleicht sogar ein paar dünne Handschuh für die Feldarbeit und ein paar dickere zum Drüberziehen oder Aufwärmen.

Bei Schuhen lohnen sich wie gesagt Gummistiefel UND Wanderschuhe. Wanderschuhe sind spätestens nach einem halben Tag naß, und bei schlechtem Wetter bekommt ihr sie nicht wieder trocken! Außerdem macht sich das Tauschen ganz gut, wenn man sich in einem Paar Blasen gerieben hat, da die oft an verschiedenen Stellen relativ zum anderen Paar Schuhe gerieben werden.

Tipp nehmt Sporttape mit. Wenn ihr wißt, ihr bekommt leicht Blasen, verpflastert Euch die Füße, BEVOR ihr in die Schuhe steigt. Das Tape ist besser als Hansaplast und viel besser als das mit Mull aber nur, wenns noch vor der Blase drauf gemacht wird. Zum Erste-Hilfe-Set gehören auf jeden Fall viel Pflaster, Elastikbinden, Schmerztabletten und Klopapier.

Eisbären

Eisbär

Es gibt ungefähr 5000 Eisbären auf und um Svalbard. Die meisten davon wandern im Sommer mit dem Eis und den Robben nach Osten und Norden. Einige bleiben auch auf dem Festland. An der Westküste ist die Wahrscheinlichkeit im Sommer geringer, Eisbären zu treffen. Trefft ihr jedoch welche, dann seid um so aufmerksamer. In der Regel sind das Jungtiere, die noch keine Erfahrung mit dem Menschen gemacht haben oder Tiere, die seit längerem nichts zu fressen bekommen haben.

Flache Umgebung solltet ihr nie unterschätzen. Hier gibt es immer Bodenerhebungen, hinter denen ein Bär ruhen kann. Ein in der Nähe überraschter Bär greift eher an. Eisbären sind neugierig. Der Geruch von Essen kann sie anziehen.

Wenn ihr auf Feldarbeit seid, so haltet euch immer in der Gruppe. Beim Sammeln in einem Gebiet sollte eine Person mit Gewehr und Fernglas Wachtposten stehen. Trotzdem sollte auch jeder Einzelne jederzeit aufmerksam die Umgebung beobachten. Entfernt sich ein Einzelner, so gefährdet er bei einer Eisbärenbegegnung im schlimmsten Fall die Gruppe, das Leben des Eisbären und natürlich sich selber.

Am dritten Tag im Gelände, ohne Eisbären gesehen zu haben, läßt oft die Aufmerksamkeit nach. Der Bär wird zu einer Märchengestalt, die nur in unseren Geschichten existieren und uns Gänsehaut machen. Eine Sicherheitsroutine im Einteilen von Wachtposten zum Beispiel kann dagegen helfen.

Lageraufbau

Die Zelte sollten möglichst zusammen in einer Gruppe stehen, und nur so weit auseinander, oder so viele auf ein Mal, daß der Stolperdraht auch noch wirksam ist. Bei vielen Zelten ist es daher besser, mehrere Lager zu errichten und für jedes Lager extra Stolperdrähte aufzuspannen. Ist auch der Letzte schlafen gegangen, kann die Anlage scharf gemacht werden. Wird die Anlage in der Nacht ausgelöst, nicht sofort blind schießen, es könnte ein Mitstudent sein, der verschlafen sich in Richtung Toilette begibt oder ein Rentier, das neugierig ans Lager gekommen ist. Am besten ist natürlich, wenn man sich zusätzlich in eine zweistündige Nachtwache einigen kann, was einfach sein sollte bei vielen Leuten.

Umgang mit Waffen

Das Gewehr ist KEIN Spielzeug. Es ist eine Waffe, mit der man töten kann. Dessen solltet ihr euch immer bewußt sein. Es gibt einfache Regeln, die man einhalten muß.

  1. Zeige NIE mit dem Lauf auf Leute, egal ob geladen oder ungeladen!
  2. Lege das Gewehr, geladen oder ungeladen, nie ab mit Lauf auf Leute oder das Lager gerichtet!
  3. Lädst du eine Waffe, sei sicher daß du den Lauf auf einen sicheren Hintergrund richtest, und keine Menschen zwischen dir und dem Hintergrund sind. Dabei sollte KEINE Patrone im Lauf sein, sondern NUR im Magazin!
  4. Um sicher zu sein, daß keine Patrone im Lauf ist nach dem Laden, richte das Gewehr auf einen sichern Hintergrund und drücke den Abzug!
  5. Außerhalb von Ortschaften ist das Gewehr stets geladen zu tragen. Kontrolliere jeden Morgen bei ungeladenem Gewehr, daß der Lademechanismus und die Federung im Magazin noch funktionstüchtig sind. Pflege es von Zeit zu Zeit, vor allem, wenn es feucht geworden ist.
  6. Vor Ortschaften ist das Gewehr vollständig zu entladen. In Ortschaften ist es mit offenem Schloß getragen oder das Schloß wird ganz herausgenommen.
  7. Übernimmst du das Gewehr von einem Anderen, kontrolliere, daß alles in Ordnung ist. D.h. im Feld: ist keine Patrone im Lauf? Im Ort: ist das Gewehr vollständig ungeladen?
  8. Der Sicherheitshebel soll in ungesicherter Stellung bleiben, damit im Notfall nur noch vollständig geladen werden muß vor einem Schuß.

Noch ein paar kleine Tips

Klebt ein kleines Stück Pflaster oder dünnes Tape auf die Mündung, dann kommt kein Schmutz in den Lauf, falls jemand mit den Gewehr stürzt oder es schneit oder regnet.

Mit einer alten Socke über den Mechanismus geschoben, ist auch dieser geschützt und kann immer noch genauso leicht im Ernstfall bedient werden.

Bärenbegegnung

Derjenige, der das Gewehr trägt, ist verantwortlich für die gesamte Gruppe. Geschossen werden darf nur im Notfall. D.h. wenn eine Person oder die Gruppe unmittelbar durch einen Bären bedroht wird. Die Entfernung, wann ein Bär gefährlich ist, schätzt man sehr subjektiv ein. Aber wartet nicht bis zu den letzten 10 m, bevor ihr einen Warnschuß abgebt.

In der Regel sollten zuerst Signalpistole oder Signal-Pen zum Einsatz kommen. Auch hier gibt es verschiedene Ansichten: vor oder hinter den Bären zu schießen. Schießt einfach. Während dieser Aktion sollte das Gewehr schon schußbereit im Anschlag sein und die Ersatzpatronen in unmittelbarer Reichweite. Die ersten beiden Schüsse sollten gezielt vor oder neben den Bären als Abschreckung gehen. Dann sofort nachladen! Greift er an, so wird auf den Bären gezielt. Nicht auf den Kopf, der Schädel ist sehr hart und kann verschiedenen Geschossen standhalten, außerdem ist der Kopf ein kleines Ziel. Greift er dich mit Gewehr direkt an, so ziele auf die Brust, einfach in die weiße Mitte. Greift er jemanden seitlich neben dir an, so ziele auf die vordere Schulter. Stoppt der Bär kurz, lade nach! Ist der Bär erlegt, so geht nicht sofort an ihn heran, sondern versucht von hinten noch ein paar gezielte Schüsse in den Nacken zu setzen, um sicher zu gehen, daß er auch wirklich tot ist. Verändert nichts am Bären. Dann kontaktiert über Funk den Sysselmann.




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Autorin: Elke Lindner